Gedenken an Wolfgang Dettenkofer

Beim Gottesdienst der Unterkirchengemeinschaft am 08. November 2015 schritt Wolfgang Dettenkofer mit kurzen gewichtigen Schritten zum Ambo und las mit betont ruhiger Stimme die Lesung des Tages von der Witwe von Sarepta, die, dem Hungertode nahe, von Gott durch den Propheten Elija errettet wurde: „ … Der Mehltopf wurde nicht leer und der Ölkrug versiegte nicht.“ – Das waren Wolfgangs letzte Worte in unserer Mitte. Zwei Tage später rief ihn der Herr – gnädig im Schlaf – zur ewigen Vollendung, dorthin, wo wahrhaft die Lebensströme Gottes nicht versiegen.

Oft hatten wir Wolfgang beim Gottesdienst als Vorsteher, Lektor, Prediger und Beter erlebt – immer spirituell engagiert, fromm und kritisch, aus pastoraler Erfahrung schöpfend, aber auch von den aktuellen Geschehnissen in Kirche und Welt getrieben. Wir hörten von ihm Worte geistlicher Tiefe, nicht selten aber auch bittere, provokante, kämpferische. War doch ihm, dem die Priesterweihe Sendung und Auftrag gegeben hatte, trotz der Entpflichtung vom Zölibat gerade dieses ein hintergründiges Thema, an dem er viel Missständiges in der Kirche festmachte. Solche Worte fanden wohl nicht immer ungeteilte Zustimmung, aber sie waren Ausdruck des breiten Glaubens-, Denk- und Meinungsspektrums in der Unterkirche – und sie haben aufgerüttelt, gaben Denkanstöße.
Als Wolfgang jedoch einmal ohne Absprache mit dem UK-Leitungsteam einige Fernsehleute eingeladen hatte, beim Wortgottesdienst Filmaufnahmen zu machen, stieß er auf heftigen Widerstand der Gemeinde und wollte ihr in erster Erregung den Rücken kehren. Aber Einsicht und gelebte Friedfertigkeit konnte dem Zwischenfall lehrreich gute Wendung geben.

Bevor Familie Dettenkofer 1990 nach Rosenheim übersiedelte, war Wolfgangs Lebensweg schon in großer Bewegtheit verlaufen. Nur einige markante Stationen seien genannt: Geboren am 18.07.1934 in Alteglofsheim bei Regensburg, ab dem 12. Lebensjahr Internatsschüler, später Eintritt ins Karmelitenseminar Regensburg, Noviziat in Reisach, Theologiestudium in Regensburg und Rom,
1960 Priesterweihe, danach diverse Seelsorgstätigkeiten (Regensburg, München, Reisach, Günzburg).
1974 Amtsenthebung wegen der Absicht zu heiraten, nach päpstlicher Dispens Heirat mit Sieglinde Lakmayer, zwei Kinder, ab 1975 Lehrer für kath. Religion und Deutsch an verschiedenen Berufsschulen, zuletzt in Rosenheim. Nach der Pensionierung im Jahr 1998 Trennung und Scheidung der Ehepartner; nach fünf Jahren finden sie sich wieder und heiraten erneut.
Er verstarb in Bad Endorf, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.

Wolfgang war in mancherlei Hinsicht ein unruhiger Geist – immer auf Suche nach Wichtigem, was zu erfassen und zu präsentieren sei. So gelang es ihm, mehrmals Eugen Drewermann nach Rosenheim zu holen. Begabt für das Wort, verlieh er diesem in Traktaten, Gedichten, Reimen und Presse-Leserbriefen immer wieder Ausdruck, wobei er mit intellektueller Klarheit und in Kenntnis vieler Personalia seine Stimme für Gerechtigkeit und eine geläuterte Kirche erhob. Letztlich aber war er, wie es Josef Klinger in der Predigt des Requiems hervorhob, ein Mann auf der Spur der Liebe.
Gern schließen wir uns dem Nachruf seiner Religionslehrer-Kollegen an: „Wir behalten Dich in Erinnerung als eine markante Persönlichkeit, die unseren Kreis bereichert hat, die von einem tiefen Glauben erfüllt war und eine hoffnungsvolle Vision in sich trug.
Der Herr möge die Diskrepanz zwischen Realität und Ideal, die Dich ein Leben lang beschäftigt hat, jetzt versöhnen, das, was nicht gelungen ist, vollenden und Dir die Fülle des Lebens schenken.“

Ulrich Schäfer


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